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DIE PRESSE / Schaufenster / 26. Februar 2009


"Bild FÜR Bild"
von Christina Böck

Das Wiener Filmfestival TRICKY WOMEN zeigt 181 Animationsfilme von Frauen. Vier Künstlerinnen sprechen über Geduld, Vorbilder und Humor im Trickfilm.

Wasserfarbenzweige, die sich auf nackten Körpern zu einer Liebesgeschichte auswachsen. Ein Notizbuch, das sich per Kulistrich in ein Notebook verwandelt. Ein einsamer Puppenmann, dem Gesellschaft aus der Achselhöhle wächst. Eine Hommage an Bonnie Tyler in Filzstift. Das ist nur ein kleiner Ausschnitt aus dem Programm des Trickfilmfestivals „Tricky Women“, das heuer zum siebten Mal stattfindet. 181 Filme weit weg von Disney & Co. stehen auf dem Programm, ein internationaler Wettbewerb auch.
Die Veranstalterinnen Waltraud Grausgruber, Birgitt Wagner und Isabella Purtauf haben schon früher Festivals ausschließlich für weibliche Filmemacher gemacht. Ist Trickfilm denn ein Medium, das Frauen besonders entgegenkommt? „Das nicht, aber Frauen sind, wie überhaupt in der Gesellschaft, weniger präsent. Man merkt auch – bei großen Produktionen, sobald mehr Geld im Spiel ist, ist der Frauenanteil dann schon ein deutlich geringerer“, erklärt Birgitt Wagner.

 

Nach so vielen Beiträgen, die die „Tricky Women“ über die Jahre schon zu Gesicht bekommen haben, „ist doch noch nie etwas gekommen, bei dem wir uns gedacht haben, das haben wir schon gesehen“, sagt Wagner. Das mag auch an der großen Vielfalt der Techniken liegen, die sich durch das Programm zieht: Von der Sand- und Haaranimation über Arbeiten mit Fotos und Legetechniken oder Cut-outs und Puppentrick ist wirklich alles dabei. Hier zeichnen sich keine Trends ab, meint Wagner, wohl aber in einem anderen Bereich, dem das Festival ab heuer eine eigene Programmschiene widmet: dem dokumentarischen Trickfilm. „Wir sagen ja auch immer, Trickfilm hat eine aufklärerische Wirkung. Der kann doch vieles, was man sich sonst vielleicht nicht zumuten würde, vermitteln. Und das ohne Zeigefinger.“ So gibt es also unter anderem Filme über Asylsuche in England, über eine Flutkatastrophe in Indien oder über Liebe mit Down-Syndrom zu sehen.

Wir haben vier österreichische Trickfilmkünstlerinnen gebeten, sich für das „Schaufenster“ im Stil ihres Filmes zu porträtieren.

Ina Loitzl - In der Blüte ihrer Jugend

Wie so oft ist das Fernsehen schuld. Diesmal daran, dass Ina Loitzl jetzt Trickfilme macht. „Da gab es früher immer diese kurzen Filme, in denen Köpfe in einer Box erschienen sind. Das ist das, was ich am schönsten am Trickfilm finde: Wenn ich eine Kamera habe, ein Stativ, eine weiße Fläche und ein paar Sachen. Und dann entsteht etwas.“ Das Spielerische taugt der 37-Jährigen an ihren Legetechnikfilmen. „Ich komm mir oft vor wie ein Kind, das experimentiert.“ Ihr Beitrag beim Österreich-Panorama von „Tricky Women“ ist allerdings eine Mischung aus Legetechnik und feiner Zeichnung: „Das passt besser zum Thema Gewalt gegen Kinder und Jugendliche.“

(c) Ina Loitzl „In der Blüte ihrer Jugend“ ist in noch einer Hinsicht kein typischer Ina-Loitzl-Film, denn normalerweise schätzt sie am Trickfilm, dass „ich den meisten Humor da hineinbringen kann, beißende Kritik oder auch Selbstironie, etwa in ,Die Seelen in meiner Brust‘ (Bild)“. Allerdings nur lustig, das ist Loitzl wieder zu wenig: „Dafür wäre mir der Arbeitsaufwand zu groß. Ich habe zum Beispiel noch einen Horrorfilm mit Plastikinsekten, den hab ich nie fertiggemacht, weil mir einfach der Kick einer Aussage dabei fehlt . . .“

Übrigens sieht sie ihre Filme gar nicht so gern auf der Leinwand: „Das ist mir meistens zu groß. In der Ausstellungssituation ist es immer intimer. Aber ich freu mich natürlich schon, wenn sie im Kino gezeigt werden . . .“

(c) Veronika Schubert Veronika Schubert - Tintenkiller

 

 

www.veronika-schubert.at

(c) Barbara Wilding Barbara Wilding - Einsiedlerplatz (...)

 

 

 

(c) Mirjam Baker Mirjam Baker - Memory, Zoot Woman (...)