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KLEINE ZEITUNG / 6. November 2004

 

"Turbofrau im Wochenbett" von Bernd Czechner

 

 Eine andere Schöpfungsgeschichte – die Früchte des Machbaren: Ina Loitzls irrwitzige Versionen vom Mutterleib als Geburtsreaktor.

 

 Unter freiem Himmel leuchtet ein „Morgenstern“: Als einen solchen nämlich erkor sich die Leiterin der Kunstsammlung des Landes Kärnten, Christine Wetzlinger – Grundnig, die „Body-Art-Künstlerin“ Ina Loitzl aus, um für das Projekt „Morgensterne“ – eine Initiative zum 100. Geburtstag der Kleinen Zeitung – eine „Künstler(in) von morgen, diesich schon heute kennen sollten“, vorzustellen.  

 

Unterleib 

Allen Wettern ausgesetzt also, im Lichthof der Klagenfurter Galerie 3 zeigt Ina Loitzl, (…die Mutter zweier Buben, lebt in Wien) Präparate und Innenbilder erdachter Frauenunterleiber.

In computerbearbeiteten Bildserien (Print auf Alu) entwirft sie eine Vorschau auf zukünftige Wonneproppen im Mutterleib. Dem gegenüber gestellt baumeln Uteri und Ovarien im Verein mit „Labia majora“ als hypertrophe Zuchtgebilde einer furcht/fruchtbaren Zukunft entgegen. Kinderspielzeugpink und Innereienrot – „Textilobjekte“ aus Latex, Plastik und Perlen. Geformt und vernäht, paillettenappliziert, in der grellen Ästhetik von Devotionalienobjekten. Ina Loitzl entwirft ein irrwitziges Möglichkeitsszenario. Irrsinnig offensichtlich; witzig in der Enttabuisierung eines weiblichen determinierten Intimbereichs, die, trotzend allen ausgedachten Grauslichkeiten, mit der fatalistischen Ironie eines Kunstwerkes den Ernst einer teilweise schon existierenden Wirklichkeit bricht.

 

Blüten 

Im „Vorraum“ der Galerie verströmen „Reife Blüten“ und „Geöffnete Blüten“ (Stickbilder im Materialmix) das sinnliche Flair von vegetativer wie weibmenschlicher Geschlechtlichkeit. Ina Loitzl erscheint in dieser Schau zum Generalthema „Leib“  schon als Fixstern der zeitgenössischen Kunst in Österreich, als Künstlerin von heute, die man spätestens morgen noch kennen lernen wird.