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Um:Druck / ZEitschrift für Druckgrafik und Visuelle kULTUR / 14. April 2010
In der Wiener Druckgraphik - Szene spielen Absolventinnen und Studierende der Druckgraphik - Klasse der Universität für angewandte Kunst eine wichtige Rolle. Sie arbeiten mit großer Energie, stellen sich ständig neuen Aufgaben und gewinnen damit das Interesse engagierter, an Druckgraphik interessierter Galeristinnen. Während des Monats der Druckgraphik sind ihre Arbeiten nicht nur in der Hauptausstellung des Künstlerhauses zu sehen, sondern auch in der Galerie Kro Art in Wien und im Kunstraum Arcade in Mögling. Gemeinsam mit der Galeristin Silvia Kro machen sich Künstlerinnen auf, die Langsamkeit für sich zu entdecken. Die Kritik an den gegenwärtigen Zeitläufen liegt schon allein darin, sich auf die Suche zu machen nach etwas, das im Heute vermisst wird: etwa Slow Food als gesunde, soziale und umweltverträgliche Alternative zum hektischen, profitorientierten und regenwaldmordenden Burger. Ausgangspunkt für die bildnerische Gestaltung ist also die Suche nach Verlorenem, der verlorenen Zeit, der verlorenen Beschaulichkeit des Lebens, das aber doch noch immer da, auffindbar, beschreibbar, erlebbar ist. Das optimistische Unternehmen, sich auf die Suche zu machen, widersteht dem häufigen und reichlich beliebten Kulturpessimismus. Dieser beurteilt viele Werte der industriellen oder postindustriellen, modernen oder postmodernen Gesellschaft negativ, in der permanente Erreichbarkeit, Informationsflut, Wirtschaftswachstum und Machbarkeit sowie permanentes Gewinnstreben für Tempobeschleunigung sorgen. Trotzdem schwingt auch Kritik an der Aufklärung, die auf eine permanente Verbesserung der Welt und der Lebensbedingungen im Hier und Jetzt abzielte, mit. Denn die Aufklärung sei, so die Grundvoraussetzung der Ausstellung, durchaus mit schuld an der dauernden rastlosen Hetzerei nach Verbesserung, nach Erfolg und dem Glück auf Erden, letztlich dem Paradies hienieden.
Aber das Paradies hinieden liegt wohl ganz woanders, suggeriert uns die Ausstellung: in der Stille, im kleinen Waldstück, im Betrachten der Erinnerungen, in der langsamen Bewegung, in allem eben, was Kontemplation verspricht. In dem, was nach derzeit geltenden Kriterien als "Zeitverlust" eingeschätzt würde. Dadurch eröffnet sich nun das Dilemma, das den Akteurinnen wohl bewusst ist: schön und befriedigend ist es, den Augenblick zu genießen, sich der Kontemplation hinzugeben, aber für eine gesellschaftliche Weiterentwicklung in Richtung Entschleunigung ist solches Verhalten nicht gerade zielführend. Dies war auch dem Prototypen des europäischen Tatmenschen, Faust, sehr wohl bewusst, der bereit war, in dem Augenblick, den er als schön und bewahrenswert einschätzte, zu sterben. Im Übrigen tat er das dann auch: er sah sein gelungenes Werk, das dem Meer abgewonnene Land, zu dessen Gewinnung er locker über Leichen gegangen war, zufrieden an und starb. Solch ideologisch und philosophisch schwierige, in der Sprache oft polemisch formulierte Positionen in Bilder umzusetzen, ist zweifellos kein leichtes Unterfangen und impliziert, das sei den jungen Künstlerinnen zugestanden, das Scheitern. Die Suche nach der Langsamkeit geschieht bereits in der angewandten Technik der Bildproduktion, der Druckgraphik. Druckgraphik ist ja, bedingt durch den aufwändigen Arbeitsprozess, eine Kunst der Langsamkeit, die in ihrem Entstehen immer wieder Phasen der Kontemplation, des Nachdenkens über das bereits Gewordene und seine kritische Beurteilung enthält. Erst auf Grundlage solcher Beurteilung werden Entscheidungen über den weiteren Arbeitsprozess getroffen, die weiteren Schritte festgelegt. Hetzerei, Hudlerei ist in der Druckgraphik fehl am Platz. (....) Die Ausstellung in der Galerie Kro Art präsentiert neben den druckgraphischen auch Arbeiten in anderen Techniken, für die Langsamkeit charakteristisch ist, nämlich die feine Malerei von Monika Vicari, die sich auf jeden einzelnen Strich, und die Näharbeiten von Ina Loitzl, die sich auf jeden einzelnen Stich konzentriert. Die von Ina Loitzl vorgeführte Bildwelt der alten kleinen Fotografien in Biedermeierrahmen, zur erinnerungsträchtigen Gruppe arrangiert, provoziert auf subtile Weise Nostalgie und Sehnsucht nach Langsamkeit.
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